Die ersten Tage (15-16. mai 2024)

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Nach einer kurzen Nacht wird Lauranne ins andere Spital (wo auch Mael hingebracht wurde) transferiert. Ca. 12 Stunden nach dem Kaiserschnitt geht es Lauranne schon so gut, dass das mit einem Taxi geschieht.

Dort kommen wir auf der Wochenbettstation an. Eigentlich möchten wir einfach nur zu unserem Sohn. Doch darauf müssen wir noch lange warten…

Übrigens haben wir am Abend zuvor noch entschieden: Unser Sohn soll Mael heissen. Diesen Mael möchten wir nun möglichst rasch sehen. Zuvor müssen aber noch sooo wichtige Dinge erledigt werden, zum Beispiel eine Antrittskontrolle mit einer Ärztin, bei der wir unter anderem nach unserem Zivilstand befragt werden (und auch sonst nicht nach viel Sinnvollem in einer solchen Situation). Auch das Essen für die nächsten Tage muss Lauranne auswählen und dann sollen wir uns noch ausruhen. Das alles scheint uns so unwichtig, wir möchten nur zu unserem Sohn! Wir lassen diese Dinge über uns ergehen und können dann um ca. drei Uhr am Nachmittag endlich zu unserem Sohn.

Im Inkubator hat er es sehr schön warm und feucht. Mael scheint uns sehr klein – uns wurde aber gesagt, dass eigentlich ein Kind mit 400 Gramm erwartet wurde und er mit 850 mehr als das Doppelte wiegt. Diese Reserve sollte er noch brauchen.

Lauranne hat vom ersten Tag an Milch, die man Mael per Sonde geben kann. Zusätzlich werden Wattestäbchen durch das Eintauchen in Muttermilch zu Lollipops. An denen saugt er gewaltig. Auch das „nüggele“ entdeckt er bereits am ersten Lebenstag für sich.

Wir stehen neben dem Inkubator. Wir staunen. Wir weinen. Wir legen unsere Finger in seine Hand. Eine Liebe ist entstanden, die gefühlt schon immer da war.

Am zweiten Morgen von seinem Leben folgt der Schock. Nichts ahnend ruft Lauranne in der Neonatologie an, um zu fragen, ob bei Mael alles ok sei. Die Ärztin sagt, dass sie nicht lange telefonieren könne, da Mael gerade eine Krise macht.

Als wir kommen, ist er still und hat sich beruhigt. Uns wird gesagt, dass die Krise durch eine Blutung in der Lunge verursacht wurde. Er konnte stabilisiert werden, aber die Auswirkungen der Blutung können nicht eingeschätzt werden. Es ist doch noch alles so wie gestern, oder? Von aussen sieht alles noch gleich aus. Es ist immer noch unser hübscher kleiner Junge! Dieses Gefühl, dass von aussen alles gut und hübsch, gesund und herzig aussieht, man aber weiss, dass es inwendig viel Zerstörung und Wunden gibt, verfolgt uns. Es wird ein lebenslanges Warten und Entdecken werden, was das genau bedeuten wird.

In dieser Situation beginnen wir, mit unserem Sohn gewisse Familien-Regeln aufzustellen. Durch die offenen Türen am Inkubator teilen wir unserem Sohn die ersten beiden Regeln unserer Familie mit:

  1. Wir haben uns gern. Und das sagen wir uns oft!
  2. Wir sind ein bisschen anders. Und das ist ok so!

Wie viel er von diesen Regeln in diesem Moment mitbekommen hat, wissen wir nicht. Aber dafür hat er noch das ganze Leben Zeit!


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