warum wartend?

Warum warten? Diese Frage stellen wir uns als Familie Kunz in der letzten Zeit oft. Unser Sohn hat sich diese Frage wohl auch gestellt, als er dreieinhalb Monate zu früh zur Welt gekommen ist. Das hat für uns Eltern ganz viel Warterei mit sich gebracht. Warten auf eine positive Neuigkeit. Warten auf Ärzte. Warten auf ein „normales“ Familienleben. Warten auf einen Anruf der Intensivstation. Warten auf das Eingreifen Gottes. Warten auf die Entwicklung der verschiedenen Organe unseres Sohnes.

Wir (Lauranne und David) haben uns entschieden, in unserer herausfordernden Situation einen Blog zu schreiben. Wir haben bereits in dieser Zeit ein Tagebuch geführt. Das hat uns geholfen, einzelne Tage zu verarbeiten und Ereignisse in Erinnerung zu behalten. Hier schreiben wir über etwas längere Zeitspannen. Da wir beide sehr kommunikative Personen sind, ist es für uns eine Hilfe, das Erlebte zu verarbeiten, wenn wir darüber austauschen können. Der Blog «zwingt» uns dazu, dass wir über das Erlebte austauschen und uns auf eine gemeinsame Formulierung einigen. Denn wenn man zusammen einen Blog schreibt, muss man zusammen sprechen, das Erlebte noch einmal durchbuchstabieren und sich auf eine Formulierung zur Kommunikation einigen. Dieser Blog ist also gewissermassen ein Therapie-Blog und folgt deshalb dem Motto: Schreiben ist wichtiger als gelesen zu werden.

Wir sind gesegnet mit ganz vielen Leuten, die uns umgeben und die sich um unser Wohlergehen sorgen. Vielleicht bist du auch jemand, der uns praktisch hilft, Hilfe angeboten hat, ein Geschenk geschickt hat oder für uns betet. Herzlichen Dank! Diese Verbundenheit mit so vielen Personen ist ein riesiges Geschenk. So ist der Blog auch für diese Personen, die sich für unsere Situation interessieren.

Vielleicht steckst du auch in einer schwierigen Situation und bist darauf wartend, dass es besser wird. Wir hoffen, dass du durch den Blog ermutigt wirst: Selbst, wenn kein Mensch deine Gefühle zu 100% nachfühlen kann, bist du nicht allein mit der Situation! Gott ist bei dir, er ist dir ganz nahe. Wir sind Christen und so sagen wir oft folgenden Vers aus der Bibel zu Mael, bevor wir von seinem Bett weggehen:

10 Wenn auch Vater und Mutter mich verlassen, nimmt der HERR mich auf. (…) 14 Hoffe auf den HERRN. Sei stark, dein Herz sei unverzagt. Hoffe auf den HERRN. – Psalm 27

In diesem Psalm wird davon gesprochen, dass ein Mensch von allen verlassen wird, sogar von den Eltern. Die Situation bei Mael war anders. Er wurde von grossartigem Spitalpersonal bestens umsorgt, und auch wir versuchen unser Bestes. Aber für uns als Eltern war es doch das, was am meisten schmerzte, dass wir während des viel zu langen Spitalaufenthalts unseren Sohn so oft verlassen mussten…